14.11.2011

RFID in der Automobilproduktion

Von Zuliefern über Logistikunternehmen bis hin zu den Produzenten selbst – bis der Kunde sein neues Auto in Empfang nehmen kann, sind komplexe Kommunikations-Prozesse und Fertigungsstufen zu durchlaufen. Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderte Projekt RAN (RFID-based Automotive Network) will die deutsche Autoindustrie an diesem Punkt weiter nach vorne bringen und den schnellen Austausch von Daten zwischen allen Akteuren in diesem Prozess ermöglichen. Nach Ablauf des Projektes Ende 2012 sollen die Ergebnisse dann in einen RFID-Standard einfließen.

Setzen die Unternehmen heute unterschiedliche Daten- und Nummerierungssysteme ein, so wollen die am Projekt beteiligten Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen - insgesamt neunzehn Partner - nun einen einheitlichen Minimalstandard definieren. Dabei werden alle wesentlichen Prozesse in Fertigung und Logistik als Prozess- und Datencluster abgebildet. Wie aus einem Baukasten lassen sich dann für das zugreifende Unternehmen spezifische Prozesse auswählen. In Kombination mit dem RFID-Transponder am Auto können Daten – zum Beispiel die Meldung, dass ein Fahrzeug gerade produziert und zu einer bestimmten Uhrzeit fertig sein wird – vom abholenden Spediteur gelesen und genutzt werden.

Neben Daimler und BMW ist auch der zum amerikanischen Konzern General Motors gehörende Opelkonzern an dem Projekt beteiligt. Das Unternehmen mit Sitz unter anderem in Bochum testet derzeit die Optimierung produktions- und logistikrelevanter Datenerfassung zur Vereinfachung der Produktionssteuerung der Fahrzeuge und zur Verteilung von Neufahrzeugen. Außerdem geht es um die Sammlung von Informationen zur Service-Abwicklung beim Händler.

Für die Erprobung des RAN-Projekts nutzt Opel die Vorbereitungen auf den Bau des neuen Zafira Tourer im Werk Bochum. Zunächst werden ausgewählte Zafira bereits an der ersten Operation im Rohbau mit einem RFID-Transponder versehen. An bestimmten Schreib- und Lesestellen werden während des Fertigungsdurchlaufs prozessrelevante Daten auf den Transponder geschrieben und später wieder ausgelesen. So wird überprüft, ob der komplette Fahrzeugaufbau durch alle Fertigungsstationen zukünftig nur noch über einen direkt am Fahrzeug verbauten Transponder steuerbar sein kann.

Im weiteren Testverlauf wird geprüft, ob der RFID-Transponder auch weiter zur Verteilung des Neufahrzeugs bis zum Händler genutzt werden kann. Hier werden an festgelegten Lesestellen Liefer-Informationen an die Spediteure übertragen. Die finale Ablieferung beim Händler wird automatisch durch eine Lesestelle am Eingang zum Händlerbetrieb erfasst. Vorteil dieses zukünftigen Standards nach Angaben von Opel ist die schnelle Erfassung der Stationen und der damit verbundenen unverzüglichen Auslösung des nächsten Prozessschrittes. Somit komme das Auto schneller zum Kunden.

„Eine Vision der späteren Nutzung ist auch die automatische Identifizierung des Fahrzeugs, sobald der Kunde zum Händler kommt“, erklärt Rainer Hofmann, Director Supply Chain Markets, der bei der Adam Opel AG für das RAN-Projekt verantwortlich ist. Mit Hilfe des Transponders könne eine Info an den Kundenbetreuer gehen, der dann sofort Inspektionsberichte und weitere wichtige Daten parat hält. Wartezeiten beim Service könnten damit vermieden werden. Auch bei einem Unfall könnte die RFID-Technik helfen. Rettungskräfte würden alle wichtigen Informationen über das Auto wissen, um wichtige Schritte einzuleiten.

RAN - RFID-based Automotive Network ist eines von zwölf Projekten des Technologieprogramms „Autonomik - Autonome und simulationsbasierte Systeme für den Mittelstand“, dem neuen Förderschwerpunkt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) im Rahmen des IT-Gipfel Leuchtturmprojekts „Internet der Dinge“. Rund 70 Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen wirken an den Vorhaben mit. Das Fördervolumen beträgt zusammen ca. 35 Mio. Euro. Einschließlich des Eigenanteils der Partner wird ein FuE-Investitionsvolumen von ca. 80 Mio. Euro mobilisiert.