04.07.2011

RFID-Drive-in statt Schlange stehen

Früher füllte man im Tante-Emma-Laden nebenan das Einkaufsnetz, in der Gegenwart füllt man im Netz einen virtuellen Warenkorb. Zwei Stunden später stehen die eingekauften Waren in der realen Welt zur Abholung bereit. Keine Fiktion. Möglich ist diese bequeme Art des Einkaufens beim Drive-in-Markt in Isernhagen der Lebensmittel-Einzelhandelskette real,- SB-Warenhaus GmbH aus Mönchengladbach. Noch ist der Drive-in-Markt in Isernhagen, nördlich von Hannover gelegen, der einzige Supermarkt dieser Art, doch schon bald sollen im gesamten Bundesgebiet weitere Drive-in-Märkte folgen.

Abhol- und Bezahlvorgang innerhalb von fünf Minuten

Wie das Shoppen genau funktioniert? Zuerst ein Klick auf die Website www.real-drive.de. Ist man bereits Kunde, loggt man sich in gewohnter Form ein, ist man neu bei Drive, ist eine Registrierung erforderlich. Dann kann es schon losgehen. Wie in einem herkömmlichen Supermarkt stöbert man in den virtuellen Regalen und legt die gewünschten Produkte in den Warenkorb – von Babywaren über Tiefkühlkost und Getränken, bis hin zu Obst & Gemüse. Ganz unten auf der Seite hat der Einkäufer stets im Blick, was bereits im Warenkorb liegt und wie hoch die Gesamtsumme ist. Oben rechts wird die „früheste Abholzeit“ eingeblendet. In der Regel zwei Stunden nach dem Online-Einkauf stehen die Waren bereit zum Abholen, auf Wunsch wird der Einkauf sogar in den Kofferraum gelegt. Falls der Kunde es zeitlich nicht schafft, seinen Einkauf abzuholen, kann er per E-Mail die Bestellung stornieren. Zusammengestellt werden die gewünschten Einkäufe von real,-Mitarbeitern in einem eigenen Lager, das von der benachbarten real,-Filiale getrennt ist.

Neue Konzepte, mobile Einkaufsassistenten und Einsatz von RFID

Bereits seit einigen Jahren beschäftigt sich real,- intensiv mit dem Einkaufen der Zukunft und mit Innovationen in der Handelsbranche. Teil dieser Innovationsarbeit ist auch der real,- Future Store, in dem ständig neue Technologien getestet werden. So befindet sich in Tönisvorst bei Krefeld ein so genanntes „SB-Warenhaus der Zukunft“, das bei einem Einkauf, aber auch einer Führung erkundet werden kann. Auf einer Verkaufsfläche von rund 8.600 Quadratmetern werden dort im Rahmen der Future Store Initiative des Handelskonzerns Metro neue Konzepte und Technologien erprobt, die das Einkaufen für die Kunden noch komfortabler machen sollen.

Im ersten Future Store, den die METRO GROUP im Jahre 2003 eröffnete, wurde der Persönliche Einkaufsassistent (PSA) getestet und von den Kunden gut angenommen. Auf Grund der rasanten Entwicklung der Technik musste das Konzept der PSA allerdings weiterentwickelt werden. Zum Einsatz kommt nun der Mobile Einkaufsassistent (MEA), den sich Kunden des real,- Future Stores ausleihen und testen können. Kunden, die über ein bestimmtes Mobiltelefon verfügen, können die Software für den Mobilen Einkaufsassistenten auch herunterladen und so ihr eigenes Gerät zum MEA machen.
In Neuss wurde 2004 das METRO GROUP RFID Innovation Center mit einer Gesamtfläche von 2.000 Quadratmetern gegründet. Es ermöglicht Unternehmen, Lieferanten, IT-Partnern und anderen Interessenten, die Einsatzmöglichkeiten der RFID-Technologie unter realen Bedingungen kennenzulernen und zu testen. Der Fokus richtet sich hierbei auf fünf Bereiche: Kommissionierung, Lagermanagement, RFID im Warenhaus und im Haushalt. Die beteiligten Unternehmen aus der IT- und Dienstleistungsbranche sowie der Konsumgüterindustrie arbeiten vor Ort kontinuierlich an der Verbesserung der Schlüsseltechnologie.

Neue Herausforderungen für den Handel

Gebremste Kauflust, beschleunigter Wettbewerbsdruck und auch der demografische Wandel sowie die stetige Änderung des Kaufverhaltens, stellen den Handel vor große Herausforderungen, die gemeistert werden müssen. Im Blickpunkt stehen deshalb momentan so genannte hybride Kunden, die einerseits preiswert im Discounter einkaufen gehen, andererseits jedoch Impulskäufe an Tankstellenshops zu hohen Preisen tätigen. In Zukunft wird es für Unternehmen zunehmend schwieriger sein, langfristige, partnerschaftliche Kundenbeziehungen aufzubauen. Umso wichtiger wird es sein, dass Unternehmen auf Wünsche und Kaufgewohnheiten der Kunden eingehen. Ein wichtiger Schritt soll die Entstehung von den Drive-in-Märkte sein, denn die Muße, lange Zeit in einer Supermarkt-Schlange zu verbringen, haben zahlreiche Kunden längst nicht mehr.